Was Unternehmen von der Medizin lernen können – oder: Warum Organisationen ein Nervensystem brauchen

Mein Bruder hat Medizin studiert. Und manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken:
„Das wäre vielleicht auch ein spannender Weg für mich gewesen.“

Während er sich den Geheimnissen des menschlichen Körpers widmete – Organen, Nervenbahnen, Blutkreisläufen – habe ich meinen eigenen Weg gewählt:
Organisations- und Führungskräfteentwicklung.

Und doch begegnen sich diese beiden Welten heute erstaunlich oft.

Was wäre, wenn wir Unternehmen wirklich als lebendige Systeme begreifen würden?

Nicht nur als Organigramm. Nicht nur als Prozesslandschaft. Nicht nur als Abfolge von Entscheidungen.

Sondern als lebendigen Organismus.

Mit:

  • einer Anatomie → Strukturen, Rollen, Aufbauorganisation
  • einer Physiologie → Prozesse, Abläufe, Routinen
  • und – besonders spannend – einer Neurologie → Steuerung, Kommunikation, Entscheidungslogiken

Genau hier beginnt für mich der eigentlich wirksame Blick auf Organisationen.

Der unsichtbare Nervenzusammenhang im Unternehmen

In Unternehmen gibt es immer auch etwas, das man nicht direkt sehen kann und das gleichzeitig ständig wirkt:

  • Wer spricht mit wem?
  • Wo wird wirklich entschieden und wo nur formal?
  • Welche Themen werden offen adressiert?
  • Welche wandern unter den Teppich?
  • Welche Spannungen sind spürbar, obwohl niemand sie ausspricht?

Aus systemtheoretischer Sicht ist genau das der Nervenzusammenhang eines Systems.
Nicht sichtbar wie ein Organigramm, und gleichzeitig entscheidend für Bewegung, Blockade oder Entwicklung.

Und wie im menschlichen Körper gilt auch hier:
Wenn die Nerven nicht sauber weiterleiten, wenn Reize verzerrt ankommen, wenn Signale unterdrückt werden, dann funktioniert der ganze Organismus nur noch eingeschränkt.

Warum Wandel ohne „organisatorische Neurologie“ scheitert

Viele Veränderungsprozesse setzen neben der Arbeit an der „Haltung der Menschen“ zum Glück schon bei Strukturen an: Neue Rollen. Neue Prozesse. Neue Tools. 

Und gleichzeitig bleibt der Wandel oberflächlich, wenn sich die Steuerungslogiken, Kommunikationsmuster und Entscheidungswege nicht mitverändern.

Dann sieht die Organisation vielleicht „neu“ aus – funktioniert aber immer noch nach den alten Mustern.

Nachhaltige WERTschöpfung entsteht nicht durch neue Kästchen im Organigramm.
Sie entsteht dort, wo:

  • Kommunikation klar wird
  • Entscheidungswege transparent sind
  • Verantwortung wirklich übernommen werden kann
  • und Menschen sich im System wirksam erleben

Und plötzlich bin ich doch wieder bei der Medizin

Denn genau das liebt die Medizin: Nicht nur Symptome behandeln. Sondern Zusammenhänge verstehen.

Nicht nur ein einzelnes Organ betrachten. Sondern das komplexe Zusammenspiel.

Für mich ist das der Punkt, an dem Organisationsentwicklung und Medizin sich überraschend nahekommen:
Beide beschäftigen sich mit lebendigen Systemen, die ihre ganz eigene Logik haben und auf Eingriffe immer auf ihre Weise reagieren.

Die Quelle dieses Denkens

Dieses Bild der „dritten Dimension“ von Organisation – jenseits von Struktur und Prozess – stammt aus dem Buch: Die dritte Dimension des Organisierens von Martin Pfiffner.

Es hat meine Sicht auf Organisationen noch einmal deutlich geschärft, vor allem auf das, was zwischen den sichtbaren Ebenen wirkt.

Mein Fazit

Unternehmen sind keine Maschinen. Sie sind keine Baukästen.
Sie sind lebendige soziale Systeme – mit einem eigenen Nervensystem.

Wer dieses Nervensystem versteht, führt nicht nur effizienter, sondern menschlicher, klarer und nachhaltiger.

Und genau das ist mein ganz persönlicher „medizinischer Weg“:
Nicht im OP, sondern mitten im organisationalen Leben.

Manchmal reicht ein Gespräch, um
Führungskräfteentwicklung in Bewegung zu bringen.

Wenn Du Klarheit im Führungsverhalten willst,
Führung wieder WIRken soll
Und ZusammenARBEIT zu mehr Performance führen soll. 

Dann sollten wir reden.