Vor einiger Zeit saß ich in einem Führungskräfte-Workshop, als ein Teilnehmer plötzlich sagte:
„Ich wusste gar nicht, dass Verhalten etwas mit Mathematik zu tun hat.“
Und ich dachte: BÄM.
Genau diese Momente liebe ich. Momente, in denen sichtbar wird, dass Führung oft intuitiv betrieben wird, obwohl dahinter hochgradig nachvollziehbare Muster stecken.
Denn ja: Verhalten hat erstaunlich viel mit Mathematik zu tun.
Zumindest dann, wenn man bereit ist, einmal anders draufzuschauen.
Ich arbeite in meiner Beratung gern mit der Lewinschen „Formel”:
V = f(P, K)
Verhalten ist ein Zusammenspiel aus Persönlichkeit (P) und Kontext (K).
Nicht entweder oder. Nicht psychologisieren oder Prozesse betrachten. Sondern: Beides gleichzeitig.
Aus systemtheoretischer Sicht ist diese „Gleichung” ein schöner Reminder dafür, dass Verhalten niemals isoliert entsteht. Menschen handeln nicht „einfach so“, sondern immer im Resonanzraum ihrer Umgebung. Organisationen erzeugen Erwartungen, Irritationen, Möglichkeiten und Begrenzungen und Menschen reagieren darauf in Mustern, die für sie Sinn ergeben, und die im Kontext anschlussfähig sind.
Oder anders gesagt: Wer Verhalten verändern will, muss zuerst die Verhältnisse verstehen und dann gestalten.
Zwei Brillen, die jede Führungskraft braucht
Um dieses Zusammenspiel zu erfassen, nutzen wir im Workshop – und generell in meiner Arbeit – zwei Brillen:
👓 Die Menschenbrille
für Persönlichkeit, eigene Muster, Trigger, Prägungen, Bedürfnisse, Energiehaushalt…
🏢 Die Systembrille
für organisationale Rahmenbedingungen wie Strukturen, Prozesse, Entscheidungslogiken, Kommunikationswege, informelle Rollen, Reibungspunkte…
Wer nur durch eine der beiden schaut, sieht immer nur die halbe Wahrheit. Führung wird erst WIRksam, wenn beides zusammen gedacht wird.
Keine Zahlen, dafür klare Muster
Wenn ich mit Führungsteams arbeite, macht das Wort „Formel“ manchmal erst mal Angst, bis klar wird:
Ich rechne nicht mit Zahlen. Ich rechne mit Perspektiven.
Es geht nicht um Plus und Minus. Es geht um Wechselwirkungen.
Um Dynamiken, die sichtbar werden, wenn man sie bewusst anschaut.
Und ja – manchmal habe ich dabei sogar eine ziemlich stylische KI-Brille auf, um zu zeigen:
Führung braucht Mut zu neuen Sichtweisen.
Für diesen Beitrag habe ich mich mal digital „neu eingekleidet“ – inklusive futuristischer Brille.
Nicht, weil ich unbedingt in die Fashion-Tech-Szene einsteigen möchte, sondern weil es symbolisiert, worum es mir in meiner Arbeit geht:
Neue Perspektiven ermöglichen. Ungewohnte Blickwinkel zulassen.
Und damit Räume öffnen für WIRkungsvolle ZusammenARBEIT.
Mein Fazit
Verhalten ist keine Blackbox. Es ist auch keine Charakterfrage.
Es ist eine „Funktion” aus Mensch und Kontext und Führung ist der Ort, an dem diese Funktion täglich gestaltet wird.
Wer diesen Zusammenhang versteht, führt bewusster. Mutiger. Und vor allem: WIRksamer.

